Liebe Kunden

das Jahr 2010 geht zu Ende. Neue politische Impulse hat es uns kaum gebracht. Ausgerechnet zweiundzwanzig junge Männer in kurzen Hosen haben uns kurzfristig Glücksmomente beschert und gezeigt, dass kulturelle Vielfalt für uns alle eine Bereicherung ist. Vielfalt und Vielstimmigkeit ist wesentlich auch ein Merkmal der Literatur. Literatur kennt keine Grenzen. Im Gegenteil: Sie bricht Grenzen auf und ist ein stetiges Angebot zum Gespräch. Auf neue literarische Impulse und Gespräche mit Ihnen freuen wir uns auch im kommenden Jahr.

Zuvor werden wir wie immer eine kurze Auszeit nehmen und die Buchhandlung vom 27.12. bis einschließlich 2.1. schließen. Ab dem 3. Januar sind wir wieder für Sie da und freuen uns auf Ihren Besuch.

Wir wünschen Ihnen erholsame Feiertage und ein gesundes Neues Jahr.

Ihr Michael Schwarz und Mitarbeiterinnen

P.S.: Am 27. Januar feiert die Buchhandlung ihr 10-jähriges Jubiläum. Feiern Sie mit uns!



04. MAI 2010 | 20 UHR | zurückliegende Veranstaltungen 2010

RICHARD OBERMAYR

LESUNG | DAS FENSTER „Ich blieb stehen und drehte mich noch einmal um und blickte zurück auf unser Haus und sah den Garten, der einst ein Garten war und nie mehr ein Garten sein wird, nur noch ein Paradies der Müdigkeit, in dem meine Mutter sich über Rosen beugt, in dem mein Vater im Schatten der Kastanie sitzt und die Zeitung liest.“

Richard Obermayr, in Wien lebender Schriftsteller, erzählt in seinem Roman "Das Fenster" die geheimnisvolle Geschichteeiner Familie, die von einem Ereignis betroffen wurde, daswomöglich nie stattgefunden hat. Hat die Mutter Selbstmord begangen? Der Sohn kehrt in seiner Erzählung immer wiederzu diesem Augenblick, der das Familienglück zerstörte, zurück. In ausdrucksstarken Bildern erinnert er sich an die verflossenen Augenblicke seines Lebens, und hat das Gefühl, dass jene Teile seiner Persönlichkeit, die er zurücklassen musste, um der zu werden, der er heute ist, sich hinter seinem Rücken gegen ihnverbünden.

EINTRITT: 6,- / 4,- EURO ORT: BUCHHANDLUNG SCHWARZ

20. MAI 2010 | 20 UHR

MARIANA LEKY

LESUNG | Die Herrenausstatterin | Mariana Leky, in Berlin lebende Schriftstellerin, erzählt in ihremneuen Roman „Die Herrenausstatterin” die Geschichte vonKatja Wiesberg, die von ihrem Mann Jakob verlassen wird. Kurzdarauf stirbt Jakob an den Folgen eines Verkehrsunfalls.Katja verschwimmt die Welt vor Augen. Da taucht auf einmalDr. Blank auf und platzt Armin in ihr Leben. Zwei Männer, diegegensätzlicher nicht sein könnten. Dr. Blank ist der Geist desverstorbenen Nachbarn: liebevoll und weise, Armin ein kleinkriminellerFeuerwehrmann: unbekümmert und selbstbewusst.Mariana Leky erzählt diese kuriose Dreiecksgeschichte mit vielVerständnis für die Schwächen und Sehnsüchte ihrer Figurenund in einem Ton, der das Tragische komisch und leicht wirkenlässt.

EINTRITT: 6,- / 4,- EURO ORT: ARTJAMMING
GÜNTERSTALSTRASSE 41
79102 FREIBURG

25. JUNI 2010 | 20 UHR

ANDREAS MAIER

LESUNG |Seit nunmehr zehn Jahren, seit Erscheinen seines furiosen Debütromans Wäldchestag, ist Andreas Maier einer der unbestechlichen Erzähler der deutschen Gegenwartsliteratur. Mittlerweile sind drei weitere Romane, eine Poetik-Vorlesung und ein Essay über die Natur erschienen.

Im März folgen nun unter dem Titel Onkel J. - Heimatkunde im Suhrkamp Verlag Kolumnen, die Andreas Maier seit fünf Jahren regelmäßig für die Literaturzeitung Volltext schreibt. Jede Kolumne beginnt mit einem »Neulich«-Satz, so auch die aktuelle, die Sie hier in der Lesezeit abgedruckt finden. Onkel J. ist aber nicht nur eine Sammlung dieser Kolumnen. Vielmehr nimmt Onkel J. – im Übergang von den ersten vier Romanen zu Maiers Projekt Ortsumgehung« – eine zentrale Stelle ein. »Alles gehört zusammen, und für alles ist das Kolumnenbuch der Kern.«

EINTRITT: FREI
ORT: Biosk. Freiburgs erster Bio-Kiosk
Alter Messplatz / neben der neuen UB
Schwarzwaldstraße 80a

14. AUGUST 2010 | 20 UHR

MARTIN GÜLICH

LESUNG | Septemberleuchten 

»Das Licht. Im Grunde genommen sei es das, woran er sich zuerst erinnere. Das Licht über dem See, wie man es nur im späten September erlebt, wenn die Sommerhitze bereits von den Tagen abgefallen ist und alles trotzdem noch immer diese Wärme in sich trägt.«

Kron trifft in der Stadt auf seinen Bekannten Vanek und dessen Freund Gerland und wird von ihnen überredet, gemeinsam mit einem geheimnisvollen vierten Mann einen Abend am See zu verbringen. Aber schon auf der Fahrt dorthin schwant Kron, dass er in eine unangenehme Konstellation hineingeraten ist: Vanek und Gerland beginnen den namenlosen Mann zu schikanieren, ohne dass dafür Gründe erkennbar wären. Am See angekommen, schlagen die Gemeinheiten in offene Gewalt um. Kron beteiligt sich zögernd, aber bald schon beginnt er, die Übergriffe auf den Mann zu rechtfertigen. Mehr und mehr wird Kron zum Mittäter, doch als er später zu den Ereignissen des Abends verhört wird, versucht er sich von jeglicher Schuld freizusprechen. In Septemberleuchten führt Martin Gülich seine Figuren dorthin, wo soziale Regeln keine Gültigkeit mehr haben; das Protokoll einer Nacht in ihrer archaischen Dynamik aus Angst und Gewalt.

Martin Gülich, geboren 1963, lebt in Freiburg. Zuletzt erschienen die Romane »Die Umarmung« (2005) und »Später Schnee« (2006). Seine Bücher werden derzeit in elf Sprachen übersetzt.

»Was für eine Wucht. Der Gegensatz zwischen dem lakonischen Ton und dem ungeheuerlichen Geschehen könnte nicht grösser sein. Unter der unscheinbaren Oberfläche eröffnen sich Abgründe, die man als Leser lieber nicht sehen möchte. Eine Leseerfahrung, die nachwirkt.« Neue Zürcher Zeitung

 

EINTRITT: FREI
ORT: Lorettobad Freiburg, Lorettostraße 51a
In Zusammenarbeit mit FREUNDE DES LORETTOBADS e.V

28. SEPTEMBER 2010 | 20 UHR

ROSWITHA QUADFLIEG

LESUNG | Der Tod meines Bruders 

»Es war auf einmal unheimlich still, die Luft merkwürdig dick wie Watte, ich fühlte mich sehr fröstelig und versuchte, wie im Schlaf, aufzustehen. Ich ging durch den Garten nach nebenan. Die Mutter lag auf dem Liegestuhl in der Sonne und wurde ganz weiß und starr, als ich ihr erzählte, was geschehen war.«

Ein Telefonanruf am Pfingstabend: Ekkehart Valentin ist mit dem Fahrrad verunglückt, liegt im Sterben auf der Intensivstation in einer kleinen Stadt in Norddeutschland. Die Mutter macht sich unverzüglich auf den Weg zu ihm. Die Schwester bleibt zurück, benachrichtigt ihren »vaterunbegabten« Vater, der sich vor 20 Jahren von der Familie getrennt hat, und ihre drei anderen Geschwister. Zwischen den Telefongesprächen blättert sie in alten Briefen ihres Bruders, lässt in der Erinnerung die 33 Jahre seines Lebens vorüberziehen. 25 Jahre ist es her, dass Roswitha Quadfliegs Debüt »Der Tod meines Bruders« in seiner Erstausgabe erschien, und es ist dem Frankfurter Stroemfeld Verlag zu verdanken, dass dieses beeindruckende kleine Buch nun noch einmal neu aufgelegt wird. 

Roswitha Quadflieg, 1949 in Zürich geboren, wuchs in Hamburg auf, wo sie zwischen 1969-1973 ihr Kunststudium absolvierte und anschließend 30 Jahre lang die von ihr gegründete Raamin-Presse betrieb, in der sie Weltliteratur mit eigenen Grafiken druckte. Seit ihrem literarischen Debüt 1985 erschienen zahlreiche weitere Bücher, zuletzt »Der Glückliche. Roman zu zehn Stimmen«, ebenfalls im Stroemfeld Verlag (2009).

»Es gibt Bücher, die man sich nicht beschreiben lassen kann. Man muß sie selbst lesen. Das Erstlingswerk der sechsunddreißigjährigen Schriftstellerin Roswitha Quadflieg, das sich mit dem Tod ihres Bruders beschäftigt, ist so ein Fall … Die Sätze präzise gefeilt – ohne ein Wort zuviel oder zuwenig. Eine nüchterne Reflexion über das Leben und den Tod, die sich in einer altmodischen Sprache wie schönste Poesie liest.«  DIE ZEIT (1986)

EINTRITT: 6,- / 4,- EURO ORT: BUCHHANDLUNG SCHWARZ 

12. OKTOBER 2010 | 20 UHR

SVENJA LEIBER

LESUNG | Schipino 

»Riba landet zitternd in der Natur wie ein frisch geborenes Rehkitz. Das hölzerne Bahnhofsgebäude versinkt im Gesträuch. Aus dem Wald zieht ein Geruch. Der Zug rollt schon wieder an und lässt eine schwappende Stille zurück. Insekten und ein Platschen von Fischen oder Fröschen in Gewässern. Und ein Windhauch in Tannen, die er nicht bewegt, selbstvergessen und unerträglich.«

Der Weg nach Schipino ist weit. Jan Riba, der ein aus dem Gleichgewicht geratenes Leben in Deutschland hinter sich gelassen hat, hat sich an der Seite seines Moskauer Freundes Viktor auf diesen Weg gemacht, der ihm nach gemeinsamen und viel zu langen Wochen in der Stadt den russischen Sommer zeigen will. Schipino besteht aus einer Handvoll Häuser und gut einem halben Dutzend Menschen, der Verfall ist allgegenwärtig, Orte der Sehnsucht sehen anders aus.
Svenja Leibers Roman ist ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Buch, ein Text, der auch das mehrmalige Lesen verträgt, ja, sogar danach ruft, und der dennoch seine Geheimnisse nicht in Gänze offenlegt.

Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und lebte einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin und gewann 2003 den Literaturpreis Prenzlauer Berg. 2005 erschien der Erzählungsband BÜCHSENLICHT, für den sie 2006 den Bremer Förderpreis und 2009 den Werner-Bergengruen-Preis erhielt. Für einen Auszug aus SCHIPINO wurde sie 2007 mit dem Kranichsteiner Förderpreis ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Berlin.

»Man kann nicht verhehlen, dass diese Geschichte einen ganz starken Sog entwickelt.«  Sigrid Löffler, Deutsche Welle

EINTRITT: 6,- / 4,- EURO ORT: BUCHHANDLUNG SCHWARZ 
EINTRITTSKARTEN SIND IN DER BUCHHANDLUNG ERHÄLTLICH 

09. NOVEMBER 2010 | 20 UHR

WOJCIECH KUCZOK

 LESUNG | Lethargie 

»Robert dachte lange Zeit, alle würden auf einen mißlungenen Roman von ihm warten, deshalb zögerte er anzufangen; man könnte das als speziellen Fall von Graphomanie sehen: Er war vom Nichtschreiben besessen.«

Der Roman Dreckskerl verschaffte Wojciech Kuczok den Ruf, der stilsicherste, musikalischste und leidenschaftlichste Schriftsteller der polnischen Gegenwartsliteratur zu sein.
Sein neues Buch Lethargie handelt von drei Menschen und ihrem Beschluss, das eigene Leben zu verändern. Da ist Adam, ein frisch examinierter Arzt; er sehnt sich nach einem jungen Mann, der ihm während einer Busfahrt nach Hause physisch nah war. Da ist Robert, ein alternder Schriftsteller, den seine Schreibblockade, seine hysterische Ehefrau und seine Schwiegereltern in die Verzweiflung treiben. Und schließlich die Schauspielerin Róża, eine Ikone der Popkultur, die ahnt, dass ihr Mann sie betrügt.
Mit einem geradezu gespenstischen Einfühlungsvermögen spricht Kuczok seinen Figuren aus der Seele. Mit Humor, Sprachwitz, Ironie und Sarkasmus schafft er Distanz und erzählt eine bitterböse Satire auf die zwischen Popkultur und erzkonservativen Positionen zerrissene polnische Gesellschaft.

Deutsche Lesung und Moderation: Renate Schmidgall
Eine gemeinsame Veranstaltung der Buchhandlung Schwarz und der West-Ost-Gesellschaft Südbaden e.V.

Gefördert aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit
Projekt wspierany przez Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej

EINTRITT: 7,- / 5,- EURO ORT: BUCHHANDLUNG SCHWARZ 
EINTRITTSKARTEN SIND IN DER BUCHHANDLUNG ERHÄLTLICH 

KARTENRESERVIERUNG

25. NOVEMBER 2010 | 20 UHR

MELINDA NADJ ABONJI

LESUNG | Tauben fliegen auf 

»Melinda Nadj Abonji ist ein starker Beweis dafür, dass es längst die Immigranten sind, die der deutschsprachigen Literatur neue Themen, Schauplätze, Klänge gewinnen.«  Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung

Schon vor etlichen Jahren ist die Familie Kocsis aus der Vojvodina im Norden Serbiens – dort, wo die ungarische Minderheit lebt – in die Schweiz ausgewandert. Erst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern Nomi und Ildiko. Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder hier aufgewachsen sind. Hochzeiten und Tod rufen sie jedes Mal wieder zurück nach Serbien, wo Mamika und all die anderen Verwandten leben, solange sie leben. Ildiko ist es, die uns in Melinda Nadj Abonjis Roman Tauben fliegen auf vom Leben in zwei „Welten, die einander gegenüberstehen und sich nicht vereinbaren lassen“, schwungvoll und gewitzt erzählt.

Melinda Nadj Abonji, geboren 1968 in Becsej, Serbien, lebt als Schriftstellerin und Musikerin in der Schweiz. Für Tauben fliegen auf erhielt sie 2010 den Deutschen Buchpreis.

EINTRITT: 7,- / 5,- EURO ORT: ARTJAMMING, GÜNTERSTALSTR. 41
EINTRITTSKARTEN SIND IN DER BUCHHANDLUNG ERHÄLTLICH 

KARTENRESERVIERUNG

03. DEZEMBER 2010 | 20 UHR

PETER WAWERZINEK

LESUNG | Rabenliebe

»Die schmerzvolle Geschichte eines Kindes, das von seiner Mutter in der DDR zurückgelassen wird, als sie in den Westen ausreist, stammt von einem Autor, der wirklich etwas zu sagen hat und dem differenzierte sprachliche Mittel zu Gebote stehen.«  Süddeutsche Zeitung

Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück. Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin?
Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Auch nach dem Mauerfall blieb es bei einer einzigen Begegnung. Sie löste einen Schreibschub bei ihm aus, mit dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb. Das Ergebnis, sein Roman Rabenliebe, ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht erlebt hat.

Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 betätigt er sich neben vielem anderen als freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger. Für einen Auszug aus Rabenliebe erhielt er 2010 den Ingeborg-Bachmann-Preis.

EINTRITT: 6,- / 4,- EURO ORT: ARTJAMMING, GÜNTERSTALSTR. 41
EINTRITTSKARTEN SIND IN DER BUCHHANDLUNG ERHÄLTLICH 

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