Herta Müller 20. OKTOBER 2009

Immer ist der Hunger da.
Weil er da ist, kommt er, wann er will und wie er will.
Das kausale Prinzip ist das Machwerk des Hungerengels.
Wenn er kommt, dann kommt er stark.
Die Klarheit ist groß:
1 Schaufelhub = 1 Gramm Brot.

Im Winter 1945 wurden Abertausende Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben in die Sowjetunion verschleppt und kämpften dort als Zwangsarbeiter unter den unmenschlichen Bedingungen der Lager um ihr Überleben. Interessiert hat sich für ihr Schicksal auch nach ihrer Heimkehr kaum jemand. Herta Müller bricht mit ihrem neuen Roman „Atemschaukel“ das Schweigen und erzählt in einer ganz eigenen, bildstarken Sprache von dem großen Unrecht, das den rumäniendeutschen Deportierten angetan wurde. Sie findet und erfindet Worte, die den Schmerz der Inhaftierten, die Höllenstunden des Lagerlebens für den Leser erfahrbar und spürbar machen. Herta Müllers „Sprache ist aus einem anderen Holz geschnitzt als das verwöhnte Zierpflänzchen weiter Teile der deutschen Gegenwartsliteratur.“ (NZZ)

Herta Müller: Atemschaukel,
Hanser Verlag

Roberto Bolaño 20. NOVEMBER 2009

„An welchen Leser wenden Sie sich?“
„Ich wende mich an niemand Bestimmten. Wenn es möglich wäre,
würde ich mich an die zwei, drei jungen Verzweifelten wenden, die sich
an einem Buch wie an einem Brett festhalten. Das ist der beste Leser.
Er liebt dich, und dann bringt er dich um.“

Roberto Bolaño, in Chile geboren, in Mexiko aufgewachsen, in Spanien zu literarischem Weltruhm gelangt und früh gestorben, ist sein Leben lang durch die Welt gereist, gezwungen, freiwillig, immer aber mit äußerster Intensität. Mit der gleichen Intensität hat er geschrieben. Dreizehn Bände Prosa in den letzten elf Jahren seines Lebens, und als wäre es nicht genug, übergab er wenige Tage vor seinem Tod seinem Verleger das Manuskript zu einem weiteren Roman, der eigentlich aus fünf Romanen besteht. Auf dem Titelblatt stand „2666“. Ein Roman der Gangster- und Bildungsroman, Science-Fiction und Reportage gleichzeitig ist.
Heinrich von Berenberg, als Übersetzter und Verleger von Bolaño bestens vertraut mit Leben und Werk dieses außergewöhnlichen lateinamerikanischen Schriftstellers, wird Roberto Bolaño vorstellen und aus seinem Werk lesen.

Ingeborg Gleichauf

Der Schwarzwald ist durch die Kuckucksuhr, die Kirschtorte und den Schinken weltweit berühmt und bekannt. Er steht auch für einen romantischen Heimatbegriff.
Ingeborg Gleichaufs Blick auf den Schwarzwald nimmt der Gegend den verklärenden Schein. Die Freiburger Autorin ist
im Schwarzwald aufgewachsen, hat neben seinen vor allem landschaftlich schönen Seiten auch seine geistige Enge erlebt. Nun war sie ein Jahr zu Fuß, mit dem Zug und dem Auto unterwegs und erzählt in ihrem Buch „Heimatkunde Schwarzwald“ von Mummelsee-Nixen und vom Schwarzwaldmädel und führt den Leser über verschwiegene Wanderpfade zu wunder-
schönen Aussichten. Zusammen mit drei Jazz-Musikern der Gruppe Omsk hat sie ein Programm erarbeitet, das den Wald wild und seine Menschen weltoffen klingen lässt.

Acht Jahre Buchhandlung Schwarz

Jubiläumsfeier mit Literatur und Musik


„Beharren wir nicht zu sehr darauf, nicht zu sein,
wie wir geschildert werden, sonst laufen wir Gefahr, genau zu sein, wie wir nicht sein wollen.“
Andreas Maier, Sanssouci, Suhrkamp Verlag

Unsere Gäste am 27. Januar:
Andreas Maier: Seit seinem Debüt Wäldchestag gehört Andreas Maier zu den bedeutendsten Autoren der jüngeren Generation und ist einer der Lieblingsschriftsteller von Michael Schwarz. In seinem neuen Roman Sanssouci – aus dem er am Abend lesen wird – seziert er komisch gewagt die deutsche Gegenwartsgesellschaft. Ein „echter Maier“.

Pape Dieye, Le nomade: Der senegalesische Künstler und Musiker lebt und arbeitet seit 2003 als Musiker, Pädagoge und Komponist sowohl in Frankreich als auch in Afrika und Freiburg. 2006 gründete er die Gruppe Suba in Freiburg. Seine besondere Liebe gilt den traditionellen westafrikanischen Instrumenten, die er am Abend spielen wird.

DJ resident spambot wird für eine gefällige Klangtapete sorgen.