Caleb Azumah Nelson: Freischwimmen

Was für ein seltsames Leben du und andere Schwarze führen, ewig gesehen und nicht gesehen zu werden, gehört und zum Schweigen gebracht. Und was für ein seltsames Leben es sei, sich kleine Freiheiten schaffen zu müssen, sich sagen zu müssen, man könne ja atmen. Aber wie wunderbar ist es, wenn diese Freiheiten sich einstellen, wenn du atmest, wenn du Phife Wort für Wort entsprichst und den Refrain singst, We got the jazz, we got the jazz. Wie wunderbar, wenn du in der Menge stehst und dein Blick auf einen anderen trifft, zwanzig, dreißig Meter entfernt, und euch beiden ist nicht bewusst, dass eure Schultern und Hüften sich zum Bass bewegen, weil das etwas ist, worüber ihr noch nie nachdenken musstet, ihr tut es einfach, und als euch das klar wird, und auch die Umstände, die euch hierhergeführt haben, hebt ihr beide unauffällig die Hand. Wie wunderbar sind doch solche Momente, wenn du dich nicht verstecken musst. Dieses Gefühl, zum Wummern der Bassdrum, dass es manchmal eine Freude ist, am Leben zu sein.

Caleb Azumah Nelson, 1993, im Südosten von London geboren, ist Sohn ghanaischer Eltern, die bereits als Jugendliche nach Großbritannien kamen. In Südost-London lebt der Schriftsteller und Fotograf noch heute. Freischwimmen ist sein Debütroman.

Caleb Azumah Nelson: Freischwimmen. Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner. Kampa Verlag. 20Euro