John Coventry: Die unsichtbare Meile

Ich führe uns den Anstieg hinauf, trotze dem Sog der Schwerkraft. Unser Atem geht schwer, aber nicht so schwer, dass wir langsamer werden. Vom Plateau reicht der Blick über Ackerland bis zu nebelbedeckten Feldern in der Ferne, wo es sich die Sonne noch nicht behaglich gemacht hat. Harry übernimmt die Führung, ich lasse mich ans Ende zurückfallen, damit ich mich ein bisschen ausruhen kann, und das Tempo zieht an. Opperman fährt vor mir und sagt, ich solle mich entspannen. Das synchrone Kurbeln ist hypnotisierend, und es ist herrlich, im Windschatten einer durch die Luft gleitenden Gestalt zu fahren.

Es geht bergab, und meine Beine werden von den Kurbeln gezogen; bequemer kann die Fahrt nicht werden mit der Übersetzung, die wir für die heutige Etappe gewählt haben. Die Unterhaltung verstummt wie oft für lange Zeit. Ich spüre eine Anspannung, spüre, dass gleich etwas passiert. Percy übernimmt die Führung und macht Druck. Wir gehen mit, und unser kleines Feld rast geduckt hinab ins Tal. Die Sonne verschwindet, und es wird kühl. Wir haben fast Sprinttempo erreicht. Die ewige Schönheit der Geschwindigkeit, während man die Zeit vergisst, als wäre man längst betrunken. Meine Kollegen fahren in Schlangenformation.

David Coventry, geboren 1969, gilt nach Eleanor Catton als die nächste literarische Entdeckung aus Neuseeland. Die unsichtbare Meile ist sein Debütroman und stand monatelang auf der neuseeländischen Bestsellerliste. Coventry lebt in Wellington.

John Coventry: Die unsichtbare Meile. Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. Suhrkamp. 11€.